Ein lebenszeichen

Millionen Feldpostsendungen wurden während des Ersten Weltkrieges versandt. Die Feldpost war unerlässlich für die Moral der Truppe, war sie doch die einzige Verbindung in die Heimat.  Es war üblich einmal in der Woche eine Karte als Lebenszeichen in die Heimat zu schicken. Dazu kamen noch ausführliche Feldpostbriefe an die Frau oder Familie. Die Laufzeiten waren sehr unterschiedlich und konnten teils sehr lange dauern, was immer zum Bangen der Angehörigen in der Heimat führte. Alle Feldpostkarten unterlagen der Zensur, das heißt sie wurde durch einen Offizier oder einem von ihm bestimmten Soldaten gelesen. Dieser strich, also zensierte, Hinweise auf den Aufenthaltsort der Einheit, deren Stärke oder deren Stellung. Meist enthielten die Karten aber nicht viele Informationen, so dass eine Zensur nicht nötig war. Ausführliche Schilderungen von Erlebnissen und Empfindungen finden sich eher in Feldpostbriefen, welche in verschlossenen Umschlägen nicht der Zensur unterlagen. Feldpostbriefe aus der 12. Isonzoschlacht sind deutlich seltener zu finden. Die Soldaten hatten wohl nicht die Zeit zum Schreiben und die verhängte Postsperre verhinderte alles Weitere. 

 

Mit dem Aufmarsch der 14. Armee zur 12. Isonzoschlacht begann die kritische Phase des Unternehmens "Waffentreue", wie es die Stäbe offiziell nannten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt bestand für alle Einheiten Postsperre. Sie wurde bei einigen Regimentern schon im Bereitstellungsraum, bei anderen erst zum Beginn des Aufmarsches verhängt. Zweck war es, jegliche Nachrichten zu unterbinden damit der italienische Nachrichtendienst keinerlei Hinweise auf deutsche Truppen an der Isonzofront in der Post finden konnte. 

 

So berichtet Martin Breitenacher vom Alpenkorps: "In der Gegend des Aufmarschgebietes des Alpenkorps wimmelt es von Truppen. Bald erfahren die Alpenkorpsregimenter näheres über die bevorstehende Operation, die durch Postsperre geheim gehalten wird. Die Korpstruppen dürfen nur die in der K.u.K. Armee üblichen vorgedruckten Postkarten "Ich bin gesund und es geht mir gut" in zehn Sprachen abgefasst absenden" 


Oben: Ein Beispiel dieser Postkarten, gesendet am 1. Oktober 1917 von Herrn Dr. Klink vom preußischen Feldlazarett 26 an seine Frau in der Heimat.

 

Auch Helmut Schnitthelm vom Würtembergischen-Gebirgs-Bataillon erwähnt sie ebenfalls: "Über die gesamte Südfront ist Postsperre verhängt; nach Hause darf wöchentlich eine einzige Karte gesandt werden. Sie ist vorgedruckt und lässt nur Raum für den Namen des Empfängers und den des Absenders. Auf der Vorderseite verkündet sie in neun Sprachen: "Ich bin gesund. Es geht mir gut."

 

Offensichtlich hielten sich aber nicht alle Soldaten an die Postsperre, denn es sind auch andere Feldpostkarten erhalten geblieben, insbesondere aus den Aufmarschgebieten und von der Durchreise. Einige scheinen sogar an der Zensur vorbei gegangen zu sein, denn sie enthalten durchaus Informationen zum Reiseverlauf und geben durch die Ansichtskarten selbst schon Ortsnamen preis. Aus diesem Grund wurden an der Westfront die Ortsnamen auf Ansichtskarten oft unkenntlich gemacht.


Aus Spittal an der Drau schreibt Unteroffizier Hugo Bergmann vom Sturm-Zug, II Batl., des Infanterie Regiments Nr. 62 an seine Eltern in Bad Kösen bei Halle:

 

"den 30. September 1917

Liebe Eltern!

Sende euch allen die herzlichsten Grüße von hier.

Sind abends hier angekommen. Hatten eine

schöne Fahrt durch die Berge. In 2. Stunden

geht es weiter. Viele Grüße Hugo"


Auch dieser Soldat von der Armee-Fernsprech-Abteilung 101 schrieb seinem Mädchen Mathilde Schumann eine Karte aus Krainburg, dem heutigen Kranj. Sie wurde aber erst am 26. Oktober 1917, nach dem erfolgreichen Durchbruch, von der deutschen Feldpost befördert, wie man am deutschen Feldpoststempel sehen kann. Der Poststempel seiner Einheit ist leider verblichen.

 

"Geschrieben 20.10.18 Karte Nr. 3

Liebe Mathilde!

 Sende dir hiermit die

besten Grüße. Geht mir

noch gut, bin noch gesund

und munter. Hoffe von dir

das selbe. Tausend herzliche Grüße dein ...(unleserlich)"


Auch Feldarzt Dr. Runsen schrieb noch aus der Heimat an seine Tante. Sein Regiment, das Feldartillerie Regiment Nr. 257, wurde in den darauf folgenden Tagen an die Isonzofront verlegt und im Tolminer Brückenkopf eingesetzt. Noch unwissend schrieb er: 

 

Lockstetter Lager, den 27.9.1917

Liebe Tante,

 Umstehend sende ich dir eine

Erinnerung aus den Karpathen.

Ich war 3 Tage zu Hause. In 3-4 

Tagen geht vermutlich die Reise 

wieder los, wohin? Wir sind sehr

gespannt. Hoffentlich geht es Dir

recht gut. Sonntag war ich mit Papa

in Ohlsdorf (dort ist der Hamburger

Hauptfriedhof). Mit herzlichen 

Grüßen Dein Neffe Heinrich

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