Sterbebilder

Sterbebilder sind heute oft die einzigen Überbleibsel gefallener Soldaten des Ersten Weltkrieges. Es ist ein alter Brauch im europäischen Raum welchen man noch bis heute ausübt, jedoch gerät diese Tradition langsam in Vergessenheit. Anhand von erhalten gebliebenen Sterbebildern ist es aber möglich den längst vergessenen Schicksalen jener Männer, die vor über 100 Jahren ihr Leben auf den Schlachtfeldern der Isonzofront lassen mussten, wieder Leben einzuhauchen. Im Folgenden möchte ich die Sterbebilder aus meiner Sammlung vorstellen und mit den mir bekannten Informationen ergänzen.

Ingenuin Niederkofler

 

wurde am 7. Mai 1899 in Lappach, Südtirol als Sohn des Knollwirts (Gastwirt) Jakob Niederkofler geboren. Er diente im 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger und war einer Strumtruppe zugeteilt. Die Kaiserjäger des 3. und 4. Regiments kamen im Zuge der 12. Isonzoschlacht an die obere Isonzofront. Sie waren gemeinsam mit dem K.u.K. Infanterie Regiment Nr. 59 für den Durchbruch im Rombongebirge vorgesehen. Der Angriff im Hochgebirge am 24. Oktober 1917 scheiterte tragisch im frisch gefallenen tiefen Neuschnee und mancherorts im Feuer der eigenen Artillerie. Anders als im Tal leisteten die italienischen Soldaten in ihren Stellungen auf der Cukla erbitterten Widerstand, bis sie sich in der Nacht des 25. Oktobers 1917 in Richtung Prevalascharte absetzten. Ingenuin wurde am Tag des Angriffs verwundet und schaffte es mit seiner Verletzung hinab ins Tal wo man ihn versorgte. Anschließend transportierte man ihn nach Salzburg in das St. Johannesspital. Allen Bemühungen der Ärzte zum Trotz verstarb Ingenuin am 23. Dezember 1917, einen Tag vor Weihnachten, im Alter von 19 Jahren. Wo er seine letzte Ruhestätte gefunden hat ist mir derzeit nicht bekannt.

 

Üblicherweise enthalten Sterbebilder einen kurzen Text zum Leben und Tod der Person, ein Bild und einen religösen Vers, Text oder Gedicht. Ungewöhnlicher Weise entschied man sich die Familie bei diesem Sterbebild nicht für einen rein religiösen Text, sondern für ein Gedicht aus dem der Zorn über den Bündnisbruch Italiens spricht.

 

Auf der Website sterbebilder.schwemberger.at finden sich weitere Sterbebilder der Familie Niederkofler aus Lappach. Das Exemplar in meiner Sammlung wurde vor einiger Zeit in einem Onlineauktionshaus versteigert.


Franz Veichtlbauer

 

stammte aus Felm, Bezirk Ostermiething,

 

 

befand sich mit seinen Kameraden des K.u.K. Infanterie Regiments Nr. 59 "Erzherzog Rainer" in den Schützengräben auf dem Rombon. Beim Sturmangriff am 24. Oktober 1917 fiel er wie viele andere seiner Kameraden als Angehöriger der 6. Kompanie.