Schütze Emil Rauch

Im Jahr 2019 war es mir möglich den militärischen Nachlass des Gebirgsschützen Emil Rauch zu erwerben. Er stellt in sofern eine Besonderheit dar, dass er recht umfangreich erhalten ist und zum mindest Fragmente seiner Korrespondenz enthält. Nachdem dieser Nachlass nun mehr als 100 Jahre auf einem Dachboden die Zeit überdauert hat, möchte ich versuchen ihm wieder Leben einzuhauchen und seine Geschichte erzählen.

Postkarte der Gemeinde Hohentengen aus dem Nachlass Rauch. Sammlung www.Isonzofront.de
Postkarte der Gemeinde Hohentengen aus dem Nachlass Rauch. Sammlung www.Isonzofront.de

 

 

Emil Rauch wurde am 27.01.1895 in Ölkofen in der Gemeinde Hohentengen, welches im Königreich Württemberg lag, geboren. Seine Eltern Johann und Maren Rauch lebten und stammten aus Ölkofen. Er hatte zwei Brüder die beide im Ersten Weltkrieg kämpften und eine Schwester. Sie waren Besitzer einer Mühle und so war es selbstverständlich, dass auch Emil nach seiner Schulzeit den Beruf des Müllers erlernte. Mehr lässt sich über sein ziviles Leben leider nicht in Erfahrung bringen, die Informationen entstammen seiner Stammrolle welche so zu sagen seine militärische Personalakte ist. Ob er vor dem Krieg schon Wehrdienst geleistet hatte, ist nicht ganz klar, da nur Unterlagen seit Kriegsbeginn erhalten sind. 

Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus doch Emil wurde zunächst nicht zu den Waffen gerufen. Im Mai 1915, im Alter von 20 Jahren erfasste auch ihn der Krieg. Emil wurde gemustert und zur Infanterie eingezogen. Zur damaligen Zeit war man im Allgemeinen stolz für tauglich befunden zu werden und seinen Dienst am Vaterland leisten zu können. Ob es Emil ebenso empfand wird unbeantwortet bleiben, jedoch hat sich in seinem Nachlass sein Musterungsabzeichen erhalten. Es zeigte an einem Anhäger für welche Truppe man gemustert wurde und man konnte es nach der Musterung am Zivilanzug tragen um das Ergebnis zur Schau zu stellen.

Sein Weg nach der Musterung führte ihn zum Rekruten Depot des Infenterie Regiments Nr. 127 (im Folgenden IR 127) wo er für 4 Monate den ersten Teil seiner Grundausbildung erhielt. Schon Ende September 1915 wurde er zum Rekruten Depot der 27. Infanterie Division ins Feld gesandt. Dort erhielt er den letzten Schliff bei der Ersatz Kompanie des IR 127 bevor er Ende November 1915 zur aktiven Truppe der 1. Kompanie des IR 127 an die Front versetzt wurde. Aus dieser Zeit bewahrte er seine Erkennungsmarke auf. Bemerkenswert ist, dass man seinen Nachnamen flasch auf der Marke eingestempelt hatte, man aber scheinbar keinen Anlass sah dies zu korrigieren. Emil hatte wohl eine Vorliebe für Souveniers und Andenken, was auch den Umfang seines Nachlasses erklären dürfte. Normalerweise wurden die alten Erkennungsmarken bei einer Versetztung entweder entsorgt und eine Neue gestempelt oder auf der Rückseite mit der neuen Einheit versehen. 

 

Im Folgenden werde ich seinen Weg durch den Krieg nachzeichnen. Der Fokus liegt dabei auf seinen Erlebnissen und persönlichen Eindrücken und nicht auf den exakten Erläuterung des Kriegsverlaufs. Ich werde jedoch Quellen angeben aus denen der Verlauf der Kriegshandlungen hervorgeht. Hauptsächlich wird er uns selbst durch seine Feldpost von seinen Erlebnissen berichten, ich werde lediglich einige Erklärungen hinzufügen um die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Es handelt sich dabei um Briefe von Emil an seine Familie in Ölkofen und an seine Freundin und spätere Ehefrau Elise Röck aus Günzkofen in der gleichen Gemeinde. Ich habe die Briefe so transkibiert wie sie Emil verfasste, ohne Korrekturen daran vorzunehmen. Die Vorhandenen Briefe und Dokumente sind chronologisch aufbereitet und in die unten stehenden vier Abschnitte gegliedert.

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