Versetzung und Ausbildung beim Württembergischen Gebirgsbataillon 1916/1917

Nach der Genesung von seiner Verwundung an der Westfront, wurde Emil zunächst Anfang Dezember 1916 zum Ersatzbataillon des IR 127 versetzt. Doch er blieb nur wenige Tage dort. Kurz vor Heiligabend 1917 versetzte man ihn erneut und zwar zum Württembergische Ersatz-Gebirgs-Bataillon nach Isny im Allgäu. Dort erlebte er eine ruhige aber anstrengende Zeit fern der Front. Die Soldaten wurden im Skilauf, Bergsteigen und im Gebirgskrieg ausgebildet. Alles in allem muss es eine sehr umfangreiche Ausbildung gewesen sein, denn erst im Oktober 1917 kam er erneut ins Feld. Aus seiner Zeit in Isny und Leutkirch ist leider nicht viel Korrespondenz erhalten geblieben. Emil kaufte viele Postkarten aus der Umgebung und hob diese sein Leben lang auf. 

Feldpostbrief vom 13. Februar 1917 an Elise

 

Leutkirch den 13. Feb. 1917

 

Liebe Elise,

 

Deine Karten hab ich mit Dank erhalten. Leider hatte ich nicht viel übrige Zeit, um Dir zu antworten. wir hatten die letzte Woche viel Dienst und so war ich Abends immer froh, wenn ich den Strohsack erreichen konnte. In Gedanken war ich natürlich bei der Liebsten, doch zu einer Karte wollte es nicht reichen und so mußstest Du leer ausgehen. Am Sonntag waren ich und Kern in Seibrang um meinen Nachbar A. König zu besuchen, der dort Wachtmann ist. Als er mich besuchte, versprach ichs ihm und so konnte ich den Besuch nicht weiter hinausschieben, denn der Schnee kann bald gehen und laufen ist so langweilig. Als wir heim kamen war es bald Zapfenstreich und deshalb Zeit in die Falle zu gehen. Am letzten Freitag traf ich auch denen Nachbar Untfz. Löw Josef bei einem gefecht gegen die Isnier Gebirgler. Ich glaube, es kommt bald ins Feld. Da hätte man wirklich fast "einfrieren" können, von Morgens 4 Uhr bis am Abend. Es ist aber bis jetzt noch nicht so weit gekommen und ich glaube, der Winter wird jetzt bald Abschied nehmen. Der Tinte wäre es vielleicht schon schlimm ergangen aber diese Tante bringt man so wenig aus der stube wie ihre Schwester die Feder. Gestern Mittag war ich beim Kohlefassen. Der Weg war steil und eisig, da ein Rutsch und ich lag da. Der rechte Fuß war dabei der dumme und jetzt lieg ich nicht mehr auf dem Platz, aber im Revier. Istder Kerl auch etwas fetter und schwerer geworden, schlimm ist es auf keinen Fall. Bis in etwa 10 Tagen wird es schon wieder gehen.

Liebe Elise! So muß ich halt wieder vorerst auf deinen Besuch verzichten. Vom 20. Februar an gibts wieder Urlaub und da geht es natürlich der Heimat zu und dann ist alles wieder gut. Geute ist Besichtigung der Fernsprecher durch den Mayor und nächste Woche kommt Generalmayor Kröbling zur Kompanie Besichtigung. Da komm ich nun ganz daneben, aber es ist einerlei, ich kenne ja beide, ich habe sie schon öfter gesehen. Heute ist wieder Impfen da komm ich nicht daneben und so kann ich mich trösten. Von Müller Alfons weiß ich nichts mehr, ist er wirklich schon ins Feld gekommen? Es ist hier so arg langweilig, bitte schreib mir auch einige Neuigkeiten.

 

Auf ein baldiges Wiedersehen! Grüßt dich und deine Angehörigen

Dein Emil