Ein seltener Vergleich Kobarid / Karfreit nach dem Durchbruch

Nur sehr selten ergibt sich ein solcher Vergleich. Diese beiden Fotos stammen aus unterschiedlichen Nachlässen deutscher Soldaten. Beide zeigen sie Kobarid (dt. Karfreit) nur wenige Stunden nach dem Eintreffen deutscher Soldaten während des Durchbruchs am 24. Oktober 1917, welcher später nach dieser Ortschaft benannt werden sollte.

 

Zwischen beiden Aufnahmen liegen nur wenige Stunden. Das erste Foto ist das frühere von beiden. Auf der Hauptstraße liegt noch die weggeworfene Ausrüstung, zwei Karren und zwei tote Pferde der italienischen Armee. Es zeigt sich das gesamte Chaos welches die Italiener auf ihrem überstürzten Rückzug aus Caporetto, wie sie Kobarid nannten, hinterließen. Die Zivilbevölkerung traute sich schon wieder auf die Straße obwohl im Hintergrund noch Soldaten die Gebäude durchsuchen, die Italiener können erst wenige Stunden weg gewesen sein. Das zweite Foto scheint etwas später aufgenommen worden zu sein. Für den Vormarsch brauchte man eine freie Straße und so wurde auf dieser Aufnahme bereits ein Großteil des Gerümpels von der Fahrbahn geräumt und an die Seite geworfen. Auch das tote Pferd auf der linken Straßenseite wurde nur zur Seite gezogen um die Fahrbahn frei zu machen. Zeit zum Begraben der Pferdekadaver war jedoch noch immer nicht, ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass die Aufnahme ebenfalls nur wenige Zeit nach dem Eintreffen deutsch-österreichischer Truppen in Kobarid entstanden ist. Auf der Straße spazieren bereits unbewaffnete deutsche Soldaten und inspizieren den Ort. Sie stärkten sich an den zurückgelassenen italienischen Vorräten und suchten nach anderen brauchbaren Dingen. Am ganz linken Bildrand steht noch das italienische Ortsschild "Caporetto". 

 Die Straße gibt es heute noch, man fährt auf ihr wenn man von der Napoleonbrücke Ortseinwärts nach Kobarid fährt, aber das Ortsbild hat sich verändert in 100 Jahren. Der Große Marktplatz vor der Kirche in der Ortsmitte ist aber noch wie vor 100 Jahren erhalten.

 

Über den Durchbruchstag und die Ankunft der ersten deutsch-österreichischen Truppen kommt die Zeitzeugin Fini Vec im Buch "Schritte im Nebel" von Vasja Klavora zu Wort. Sie erlebte als Zivilistin die Nacht vor dem Durchbruch und die Ankunft der deutschen Soldaten in exakt jenen Häusern welche wir oben auf den beiden Fotografien sehen. 

 

Zitat S. 308 ff.:

"Jemand, der mit uns in der Baracke war und mit dem Fernglas den gegenüberliegenden Hügel beobachtete, schrie plötzlich vor Grauen auf und sagte uns mit todbleichem Gesicht, dass er deutsche und österreichische Stahlhelme sehe und dass die Soldaten bereits ihre Maschinengewehre in Stellung brächten. Kaum hatte er das gesagt, pfiffen schon die ersten Kugeln heran, und schreiend verließen wir die Baracke. Wir rannten wieder Richtung Isonzo. Dort sahen wir alles von den Italienern zurückgelassene: Waffenberge, Mäntel, Uniformen, tote und schwer verwundete Soldaten und Offiziere, die Pferde und Hunde rannten wild umher...

... Unser Fluchtweg führte uns zur Brücke über den Isonzo unterhalb von Karfreit. Wir erreichten sie mit blutigen Händen und Füßen, zerlumpt und mit durchnässten Kleidern. Die Eisenbrücke hatten die Italiener auf den Fundamenden der alten gebaut. [Die alte Napoleonbrücke hatten die Österreicher während ihres Rückzuges in den ersten Kriegstagen gesprengt, Anm. des Autors]. Als wir bereits mitten auf der Brücke waren, schrien uns die Soldaten zu, dass sie die Brücke sprengen würden. Trotzdem kamen wir, einge Soldaten und Zivilisten mit den letzten Kräften über die Brücke. Als wir uns einige hundert Meter von der Brücke entfernt hatten, flog sie in die Luft, und der heftige Luftdruck warf uns zu Boden. Nachdem wir wieder zu uns gekommen und der Rauch und der Staub verflogen waren, sahen wir erst welch blutiges Gemetzel die umherfliegenden Eisenteile der gesprengten Brücke verursacht hatten. Auf allen Vieren, weil wir nicht mehr gehen konnten, krochen wir unter den Straßenmauern zu den ersten Häusern in Karfreit. Dort drängten wir uns aneinander und begannen für die Sterbenden zu beten. Im ununterbrochenem Donner war von der Straße das Stöhnen und Seufzen der Verwundeten zu hören....

...Wir sorgten für die Verletzten , da sie viel erbärmlicher dran waren wie wir. Es war uns gar nicht bewusst, dass wir hungrig waren. Plötzlich standen zwei deutsche Soldaten vor uns als ob sie aus dem Boden emporgestiegen wären, und befahlen uns, die Hände zu heben. Ohne zögern befolgten wir den Befehl, und sogar die Verletzten versuchten ihn mit den letzten Kräften auszuführen. Meine Mutter, die die einzige Deutsche in diesem Ort war, bat sofort um Hilfe und Schutz für die Verletzten. Ihrer Bitte wurde Folge geleistet. Von allen Seiten drangen Österreicher und Deutsche vor und verfolgten die fliehenden Soldaten."

 

Die Fotografie unten zeigt Kobarid mit dem dahinter liegenden Krn-Gebirge. Am Ortsrand sind deutlich die Drahtverhaue zu erkennen, sowie in der Ortsmitte die Kirche.

 

Kobarid /Karfreit / Caporetto nach dem Durchbruch am 24.10.1917. Sammlung www.Isonzofront.de
Kobarid /Karfreit / Caporetto nach dem Durchbruch am 24.10.1917. Sammlung www.Isonzofront.de

Kommentar schreiben

Kommentare: 0