Der Gasangriff bei Flitsch/Bovec

Der Telefonist August Kaldenhoff vom Fernsprechzug 1535 in der Uniform des Telegrafen Bataillons Nr. 1. Sammlung Isonzofront.de
Der Telefonist August Kaldenhoff vom Fernsprechzug 1535 in der Uniform des Telegrafen Bataillons Nr. 1. Sammlung Isonzofront.de

Über den Gaswerferangriff bei Flitsch/Bovec während der 12. Isonzoschlacht wurde bereits viel geforscht und geschrieben. Es scheint als seien die zeitgenössischen Quellen aufgearbeitet und ausgeschöpft. Auch ich kann, trotz intensiver Forschungen, keine neuen Erkenntnisse beisteuern. Jedoch ist es mir möglich Bildmaterial zu zeigen, welches die damaligen Geschehnisse visualisieren kann und damit ein Stück weit greifbarer macht. Die Aufnahmen stammen aus dem Nachlass des Telefonisten August Kaldenhoff, welcher den Angriff mit dem Pionierbataillon 35 erlebte und sie für die Nachwelt aufgehoben hat. Ich möchte darauf hinweisen, dass einige der Aufnahmen gefallene Soldaten und die Grauen des Krieges zeigen, sie sollen der Nachwelt zur Mahnung dienen.

 

Doch zunächst einige grundsätzlichen Worte zum Gaswerferangriff bei Flitsch. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es zum umfangreichsten Einsatz von chemischen Waffen in der Geschichte. Obwohl die Wirkung chemischer Waffen auch vor 1914 schon bekannt war und erforscht wurde, lässt sich sagen, dass Chemiewaffen erst im Krieg zu den Waffen entwickelt wurden wie wir sie heute kennen. Im Jahr 1915 setzte die Deutsche Armee erstmals C-Waffen an der Westfront ein, woraufhin alle Kriegsparteien mit deren Entwicklung begannen. Die ersten Angriffe erfolgten im sogenannten "Blasverfahren" das bedeutet, die Kampfstoffe wurden aus Druckflaschen abgeblasen in Richtung der feindlichen Linien. Dieses Verfahren war zwar wirksam, jedoch noch stark von den Umweltfaktoren wie z. B. der Windrichtung abhängig. Im zweiten Schritt entwickelte man Gasgranaten mit welchen man das Gas wie eine normale Artilleriegranate verschießen konnte. Mit diesem Verfahren war es jedoch nicht möglich punktuell größere Konzentrationen von Kampfstoff im Zielgebiet zu erwirken, da jede einzelne Granate nur eine begrenzte Menge an Kampfstoff freisetzten konnte. Im dritten und letzten Schritt entwickelte man das sogenannte "Gaswerfen". Ausgehend von dem Prinzip der Minenwerfer, entwickelte man vereinfachte Werferrohre mit denen man Gasminen "werfen" bzw. verschießen konnte. Diese Gaswerfer-Rohre wurden zu Hunderten in einem Abschnitt eingebaut und warfen dann gleichzeitig ihre Gasminen in ein bestimmtes Areal. In Gasminen war es möglich größere Mengen Kampfstoff abzufüllen als in Artilleriegranaten und aufgrund der Einfachheit der Konstruktion war es möglich viel mehr Gaswerfer an einem bestimmten Punkt einzusetzen als man es mit Geschützen je geschafft hätte. Es wurde also eine Gasminen-Salve aus hunderten Werfern auf ein bestimmtes, eng gefasstes, Gebiet abgefeuert. Das hatte zur Folge, dass im Zielgebiet eine so hohe Konzentration von Kampfstoff erreicht wurde, dass die Umgebungsluft verdrängt wurde. Folglich bestand für die Soldaten im Zielgebiet selbst bei angelegter Gasmaske keine Überlebenschance, denn selbst wenn die Masken den Kampfstoff gefiltert hätten wäre keine Luft mehr zum Atmen vorhanden gewesen. Das beschriebene Verfahren wurde erstmals durch britische Truppen an der Westfront eingesetzt. Auf deutscher Seite setzte man es erstmalig während der 12. Isonzoschlacht ein und hatte im Flitscher Frontabschnitt das für dieses Verfahren beste Gelände gefunden. Das deutsche Pionierbataillon 35 war zuvor als erstes deutsches mit dem neu entwickelten Gaswerfer ausgerüstet und ausgebildet worden. Dieser kurze Abriss der Entwicklungsgeschichte kann deren Umfang nicht gerecht werden und dient nur zur erklärenden Einleitung für die Schilderung des Gaswerferangriffs bei Flitsch. Als tiefgreifendere Lektüre empfehle ich folgende Literatur:

 

(FOLGT) 

 

 

Während der 12. Isonzoschlacht setzte die Deutsch-Österreich-Ungarische 14. Armee umfangreich chemische Kampfstoffe ein. Zuvor hatte es an der Südwestfront keinen Einsatz chemischer Waffen in diesem Umfang gegeben. Die italienische Armee wurde vom Ausmaß dieses Gaseinsatzes überrascht und hatte fürchterliche Verluste zu beklagen. Die italienischen Soldaten verfügten nicht über geeignete Schutzausrüstung um sich vor den eingesetzten Kampfstoffen schützen zu können. Der Einsatz von chemischen Kampfstoffen hatte einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg der 14. Armee und man sollte das damals sogenannte "Wunder von Karfreit" immer auch im Zusammenhang mit dieser fürchterlichen Waffe betrachten.

Um die Vorbereitung und den Verlauf des Gaswerferangriffs zu schildern habe ich den Bericht des Oberleutnants a.D. Max von Versen ausgewählt. Er veröffentlichte ihn 1939 in der Zeitschrift Gasschutz und Luftschutz. Sein Aufsatz und seine Wortwahl sind im Kontext des Veröffentlichungszeitraumes zu betrachten. Es scheint als ob er selbst bei dem Angriff vor Ort gewesen ist, seine Beteiligung konnte ich aber nicht nachweisen. Jedenfalls berichtet er sehr ausführlich und hatte wohl zumindest Zugriff auf die Originalunterlagen aus dem preußischen Militärarchiv, bevor dieses in einer der Bombennächte des Zweiten Weltkriegs in Flammen aufging und für immer verloren war. Daher möchte ich ihn als Chronisten zu Wort kommen lassen. Dazu werde ich die Fotografien aus dem Nachlass A. Kaldenhoffs platzieren und kommentieren. Im Anschluss an die sachlichen Ausführungen von Versens wird noch der österreichische Fähnrich Fritz Weber zu Wort kommen, welcher den Angriff und die Auswirkungen in seinem autobiographischen Roman "Das Ende einer Armee" mit seinen Worten beschrieb (folgt zu einem späteren Zeitpunkt). Den Abschluss bilden einige Fotos vom Schauplatz aus der heutigen Zeit.

Im Folgenden der Bericht von Generaloberst a. D. Max von Versen auszugsweise zitiert aus der Zeitschrift Gasschutz und Luftschutz Jahrgang 1939 Nr. 6, Seite 180-182 (im PDF Seite 20-22). Das Original steht hier online zur Verfügung und kann heruntergeladen werden.

 

III. Das Gaswerferschießen

 

Der 18 cm Gaswerfer mit dem das Pionierbataillon 35 ausgerüstet war, sollte bei dem Angriff auf die Italiener zum ersten Male eingesetzt werden. Da seine größte Schußweite nur 1600 m betrug, konnte er lediglich gegen Nahziele verwendet werden. Ein zur Erkundung voraus gesandter Stabsoffizier fand zwar im Angriffsraum Tolmein keine Möglichkeit für den Einsatz des Bataillons, wohl aber eine der Eigenart der Waffe sehr gut entsprechende in der Gegend von Flitsch. Das Pionierbataillon 35 wurde darauf der Gruppe Krauß zugeteilt und von dieser der K.u.K. 22. Schützendivision unterstellt. Eine Stoßgruppe (sieben Bataillone) dieser Division sollte aus der Gegend nördlich des Ravelnik auf Flitsch vorstoßen und hier durchbrechen, während südlich Flitsch eine schwächere Gruppe (Oberstleutnant Busch mit zwei Bataillonen) den Feind beiderseits des Isonzo bis zum Gelingen des Einbruchs niederhalten sollte. Vor ihrer Front befand sich hinter den vordersten italienischen Gräben an der Straße Flitsch - Cezsoca ein tiefer, vielfach verzweigter Erdriß mit steilen Wänden. Hier hatte der Feind mit vorzüglichen Unterständen versehene starke Meschinengewehrnester ausgebaut. Die Schluchten boten ihnen Raum zur gedeckten Bereitstellung von Reserven und zur Aufstellung von "Flankierungsbatterien", die sich schon bei den Kämpfen im September 1916 in unangenehmster Weise fühlbar gemacht hatten. Die Artillerie der Gruppe Krauß, die den Angriff durch Gas- und Brisanzschießen in ähnlicher Weise vorbereiten sollte wie die Artillerie der 12. ID., war nicht imstande, die starken Verteidigungsanlagen in den Schluchten an der Straße Flitsch - Cezsoca zu zerschlagen oder auch nur niederzuhalten, da sie zu schwach war und auch die Stellung nicht unter flankierendes Feuer nehmen konnte. Trotzdem war es die unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen des Hauptstoßes, der leicht durch das Flankenfeuer der in der Schlucht eingenisteten feindlichen Truppe aus südlicher Richtung zum Scheitern gebracht werden konnte. Die Erkundung ergab, daß das Pionierbataillon 35, unter Führung des Kommandeurs Major Graf Pfeil, wohl geeignet war, die wichtige Aufgabe eines Flankenschutzes der stürmenden Truppe durch Vernichtung der vorgeschobenen Teile des Feindes mit seinen Gaswerfern zu lösen.  Am 14.10.1917 war das Bataillon mit der Eisenbahn bei Tarvis - etwa 20 km nördlich Flitsch - eingetroffen und erreichte am 16.10. mit Fußmarsch das zwischen Raibl und Flitsch liegende Lager von Pustina. Es erhielt am gleichen Tage den Auftrag, "die südlich Flitsch und hart nordöstlich des Isonzo liegenden Schluchten, die artilleristisch nicht zu fassen sind, so zu begasen, daß ein wesentlicher Widerstand aus ihnen nicht mehr geboten werden kann". Das Bataillon wurde in taktischer Beziehung der Gruppe des Oberleutnants Busch angegliedert. "Die 3. Kompanie des K.u.K. Sappeurspezialbataillons, die als Sturmkompanie für Gasangriffe ausgebildet war", wurde dem Bataillon unterstellt. Schwierig gestaltete sich der Antransport der Gaswerferrohre, der teilweise im Bereich der feindlichen Batterien durchgeführt werden mußte. Am 16.10. wurde in Tarvis bei Nacht mit dem Ausladen der Rohre begonnen, die mit Lastkarftwagen bis Raibl weitergefahren und von hier mit einer Feldbahn nach Breth (Anm. heute Log pod Mangartom) geschafft wurden. Ein Rest der mehr als 900 vorgesehenen Werferrohre traf am 18. früh in Tarvis ein, um gleichfalls sofort nach Breth weiterbefördert zu werden. Nur 88 Rohre waren in Aschaffenburg in einem Wagon liegen geblieben, dessen Achse heiß gelaufen war. Nun wurde das Gerät von Breth aus bis Pustina im Lastkraftwagen, dann mit 1200 Trägern nach den Depots bei Flitsch befördert; hierbei stellte die 22. K.u.K. Schützendivision einen Teil der Hilfskräfte. Bei diesem Transport gingen noch weitere 18 Rohre verloren, die vermutlich in die Koritniza gefallen sind, da Nachforschungen auf dem zurückgelegten Weg erfolglos waren. Die Depots wurden schließlich unmittelbar neben den Einbaustellungen errichtet. In gleicher Weise wurde die Munition, je 1000 Gas- und Sprengminen, hierher befördert.  

Oben: Blick auf die Straßenschlucht zwischen Bovec und Čezsoča aus den Javorscek-Hängen.

Unten: Aufnahmen Kaldenhoffs aus der Zeit vor dem Angriff. Die Soldaten unternahmen Ausflüge in den Bergen um das Lager Pustina an der Straße Log pod Mangartom - Flitsch/Bovec. Bei diesen Touren mussten sie sich mit österreich-ungarischen Kopfbedeckungen tarnen um die Anwesenheit deutscher Truppen zu verbergen. (Siehe auch Feldkappen und Scheinangriffe

Die Sprengminen waren in erster Linie für den Fall vorgesehen, daß wegen ungünstigen Wetters auf das Gasschießen verzichtet werden mußte. Die Gaswerfer und die bei dem Pionierbataillon 35 verfügbaren Minenwerfer wurden darauf südlich des Ravelnik - unter dem Schutz einer 100 m vorgeschobenen Infanteriestellung - auf 400 m Frontbreite eingebaut. Die Ziele der Gaswerfer waren 900 bis 1250 m entfernt. Die Minenwerfer wurden gegen Zielpunkte gerichtet, die eine Schußweite von 1900 m erforderten, also jenseits der größten Reichweite der Gaswerfer lagen. Die gesamte Zielbreite betrug 700 m. Die Zielverteilung der Gaswerfer wurde so geregelt, daß die Masse der Gasminen in die Schlucht an der Straße Flitsch-Cezsoca geschleudert wurde, während 46 Rohre den Nordausgang an dieser Straße und 85 Rohre den Südausgang am Isonzo mit ihren Geschossen sperrten. Da die vordersten italienischen Gräben ostwärts der Schlucht im Streuungsbereich der Gaswerfer, der 200m betrug, lagen, war zu erwarten, daß sie durch Kurzschüsse getroffen wurden. Für das Verhalten der Gruppe Oberstleutnant Busch bei dem Angriff wurden folgende Anordnungen getroffen: Ein Bataillon sollte sich nördlich der zu begasenden Schlucht mit seinem nördlichen Flügel dem Vorgehen der Stroßgruppe in Richtung Flitsch anschließen und die südlich gelegenen Gräben und Erdrisse in dem Maße abriegeln, "wie es die Gasverhältnisse gestatten würden". Das andere Bataillon sollte "den Gegener südlich des Isonzo binden und mit dem Fortschreiten des Angriffs anpacken". Major Graf Pfeil hatte mit seinen Pionieren dann das Ausräumen der begasten Gräben und Schluchten zu übernehmen. Der Erfolg des Gasschießens hing von einer sorgfältigen Vorbereitung, seine Ausführbarkeit von günstigem Wetter ab. So hätte man bei Gegenwind auf die Gasminen verzichten und statt dessen Sprengminen verwenden müssen, weil die Luftbewegung in diesem Fall die Gaswolken aus dem nahen Zielgelände in die eigenen Stellungen getragen hätte. Hatte man früher beim Abblasen von Gasen aus Gasflaschen den Zeitpunkt des Angriffs vom Eintreten günstiger Wetterverhältnisse abhängig gemacht, so mußte die Tätigkeit des Gaswerferbataillons diesmal in den Rahmen eines im voraus nach Zeit und Stunde festgesetzten Angriffs eingepasst werden, ohne zu wissen ob das Gasschießen mit Rücksicht auf die eigene Truppe gewagt werden dürfe und überhaupt Erfolg verspreche. Bereits vor Ankunft des Bataillons waren sorgfältige Wind- und Wetterbeobachtungen durchgeführt worden und hatten ergeben, daß in dem von 1000 m bis 2000 m hohen Bergen eingeschlossenen Flitscher Tal meist nur schwache Winde auftraten. Während bei tage westliche und südwestliche Richtungen vorherrschten, bestand in den Nächten Neigung zu völliger Windstille, oder es traten bei Nacht nordöstliche Winde auf. So waren günstige meteorologische Aussichten für die Abgabe einer Gassalve im Zeitpunkt des Angriffs vorhanden, wenn hierzu die Nacht gewählt würde. Nach dem Eintreffen des Bataillons wurde am Ostrand der Flitscher Ebene vier Wetterbeobachtungsstellen eingerichtet: je eine auf den Uferhöhen des Isonzo und im Flußtal selbst, eine dritte inmitten der Einbaufront und die vierte östlich des Ravelnik unmittelbar an der Straße Pustina - Flitsch. Da sich am Vorabend des Angriffs, am 23.10, die Wetterlage günstig zeigte, wurde um 22:30 Uhr der Befehl zum Laden der Werferrohre mit Gasminen gegeben. die Munition konnte in Unterständen fertig gemacht werden, die, rasch erbaut, wenigstens splittersicher waren und unmittelbar hinter den Einbaustellen lagen. Die 894 vorhandenen Rohre konnten bis 2 Uhr, dem für den Gasüberfall bestimmten Zeitpunkt, geladen werden. Während der Nacht sank die Lufttemperatur von 10 °C auf 8,5 °C, die Luftfeuchtigkeit stieg von 80 auf 85 v.H. Schon während der ersten Hälfte der Nacht bildete sich leichter Nebel, der sich allmählich verdichtete und erst am 24.10. gegen 4:30 Uhr, als das Gasschießen schon vorüber war, in Regen überging. Der Wind flaute mehr und mehr ab. Um 1:40 Uhr wurde an drei Beobachtungsstellen Windstille festgestellt. Nur an der vierten, der Hauptsbeobachtungsstelle in der Mitte der Einbaufront, traten schwache Nordostströmungen auf. So waren die günstigen Bedingungen für den Gasüberfall gegeben. Um 2:05 Uhr erfolgte dieser Überfall mit Gaswerfern und Minenwerfern. 803 Gasminen verließen hierbei gleichzeitig die Gaswerferrohre, nur 29 fielen infolge von Rohrzerspringern aus. 62 weitere versagten infolge von Kurzschluss der Glühzündschrauben oder von Störungen der Zündleitung, jedoch konnten hiervon nach Herstellung einer neuen Zündleitung noch 16 Rohre um 2:40 Uhr abgefeuert werden. Auf den geringen Rest der Rohre mußte verzichtet werden, weil es nicht mehr gelang, sie bis 4:30 Uhr wieder feuerbereit zu machen, und nach diesem Zeitpunkt kein Gasschuß mehr abgegeben werden durfte, damit die angreifende Infanterie nicht etwa durch im Gelände noch haftende Kampfstoffe behindert würde. Nur zwei Gaswerfer wurden vom Feuer des Gegners erreicht, jedoch wurden sie erst nach dem Gasüberfall durch feindliche Granatvolltreffer zerstört. "Im Lichte der lebhaft suchenden italienischen Scheinwerfer" versuchten die Pioniere dann, die durch den Rückstoß verworfenen und in die Erde gerammten Werferrohre auszugraben und von neuem auf das Ziel einzurichten, um sie gleichzeitig mit Sprengminen zu laden. An manchen Stellen, die infolge der Rohrkrepierer unter Gaswirkung standen, war diese Arbeit zunächst nicht durchführbar. Bald mußte auch die Arbeit auf der gesamten Einbaufront eingestellt werden, weil zwischen 2 und 3 Uhr auftretende schwache westliche Luftströmungen die von Kurzschüssen herrührenden, im Vorgelände lagernden Gaswolken in die eigenen Linien treiben. Sie zwangen das Pionierbataillon unter die Gasmasken und erforderten die Räumung der Stellungen bis gegen 6 Uhr. Sieben Gaskranke fielen aus. Ein Zugführer und ein Mann des Österreichischen Schützenregiments Nr. 2, die nicht rechtzeitig die Stellung verlassen hatten, erkrankten schwer und starben trotz ärztlicher Bemühungen nach wenigen Stunden. Nachdem sich der Wind gegen Morgen wieder gedreht und das Gas in Richtung der italienischen Stellung vertrieben hatte, konnten zwischen 6:30 Uhr und 8:30 Uhr nur noch 200-300 Sprengminen teils von der Minenwerferkompanie des Pionierbataillons, teils aus wenigen wieder geladenen Gaswerfern auf das ursprüngliche Gasziel abgefeuert werden. Um 9 Uhr trat die Infanterie der Hauptgruppe und der K.u.K. 22. Schützendivision zum Angriff an. "Von der Schlucht südlich ihrer Angriffslinie bis zum Isonzo herrschte die Stille des Todes". Die Gaswerfer hatten ihre Aufgabe glänzend gelöst. Unbehelligt durch Flankenfeuer konnte das rechte Flügelbataillon der Gruppe Busch nördlich der Schluchten durch die italienischen Stellungen stoßen, und die Ruinen von Flitsch eindringen und diese gemeinsam mit Teilen der Stoßgruppe vom Feinde säubern. Gleichzeitig ließ Major Graf Pfeil starke Sturmpatrouillen - im Ganzen 200 Mann seiner Pioniere - gegen die Ziele des Gasüberfalls vorgehen. Ohne auf Gegenwirkung zu stoßen, durchschritten diese Patrouillen die Drahthindernisse und drangen in die feindlichen Stellungen ein. Sie fanden die Schlucht, da bereits sieben Stunden seit dem Gasüberfall verflossen waren, frei von Gas und in ihr, außer einigen noch lebenden, schwer Gaskranken Leuten, nur Gastote. Allem Anschein nach hatte hier der Tod die Italiener überraschend ereilt. Die ganze italienische Besatzung in Stärke von 500 bis 600 Mann war vernichtet.

 

August Kaldenhoff hatte am 26.10.1917 die Möglichkeit die Straßenschlucht bei Cezsoca zu besichtigen und fertigte einige seltene Aufnahmen. Offensichtlich war es auch 2 Tage nach der Schlacht noch nicht möglich gewesen alle gefallenen Soldaten zu beerdigen. Der Eingang in die italienische Kaverne ist heute noch als Denkmal an der Straße Flitsch-Cezsoca erhalten und kann besichtigt werden.

Einige besondere Souvenirs:

 

Im Album des Telefonisten Kaldenhoff haben sich neben seinen eigenen Aufnahmen, einige ganz besondere Fotografien erhalten. Offensichtlich hatte Kaldenhoff am 26.10.1917, also zwei Tage nach dem Durchbruch bei Flitsch, die Möglichkeit gehabt die begasten Stellungen der Italiener in der Straßenschlucht bei Cezsoca selbst zu besichtigen. Dabei hatte er wohl auch in den verlassenen Stellungen und Unterständen der Italiener nach Brauchbarem gesucht. Dabei vielen ihm Glasplatten Negative eines italienischen Soldaten in die Hände, welche er an sich nahm und mit nach Hause brachte. Diese Negative ließ er später entwickeln und hob sie gemeinsam mit seinen Aufnahmen in seinem Album auf. Auf der Rückseite der Fotografien vermerkte er, dass er die Glasplattennegative in der Straßenschlucht bei Cezsoca am 26.10.1917 aufgefunden hatte. Diese Aufnahmen zeigen wohl einige der letzten Fotografien der italienischen Soldaten aus der Straßenschlucht bevor sie während des Gasangriffs so grausam ums Leben kamen. 

Der markante Eingang zu einer der italienischen Kavernen in der Straßenschlucht ist heute eine Gedenkstätte welche an die grausamen Ereignisse an diesem Ort während der 12. Isonzoschlacht erinnern soll.

Deutscher Gaswerfer in einer Privatsammlung.
Deutscher Gaswerfer in einer Privatsammlung.

Auf dem Bild ist ein deutscher Gaswerfer mit einer eingeführten Brisanzmine zu sehen. Dieser original Werfer wurde in den frühen 1990er Jahren in den Werferstellungen des Pionierbataillons 35 geborgen und befindet sich in einer Privatsammlung in Kobarid. Obwohl die Pioniere so gut wie alle Werfer wieder ausbauten und mit an andere Frontabschnitte nahmen, müssen einige Wenige zurückgelassen worden sein nach dem Angriff 1917. Es befinden sich weitere Stücke in Privatsammlungen und einer im Museum in Kobarid. Einheimische berichteten mir außerdem, dass zurückgebliebene Werferrohre schon zu Zeiten Jugoslawiens durch Bauern ausgegraben wurden und dem Altmetall zugeführt wurden.  

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